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Die Ortsfeuerwehr Kobershain, ein kleiner Ortsteil von Belgern-Schildau, hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Heute zählt sie zu den wenigen Feuerwehren in Nordsachsen, die als First-Responder-Einheit ausgebildet sind. Der Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich.
Noch vor einigen Jahren stand der Fortbestand der Feuerwehr Kobershain ernsthaft infrage. Personalmangel setzte dem kleinen Standort stark zu. Inzwischen hat sich das Blatt jedoch gewendet: Die Wehr zählt heute 24 aktive Mitglieder und übernimmt zusätzlich Aufgaben im medizinischen Erstangriff – ein Schritt, der in dieser Form selten ist.
Derzeit verfügen nur wenige Feuerwehren im Landkreis Nordsachsen über die entsprechende Qualifikation, um bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes lebensrettende Maßnahmen einzuleiten. Neben Kobershain gehören bislang nur sieben weitere Wehren dazu, eine weitere soll in absehbarer Zeit folgen.
Ein sichtbares Zeichen dieser neuen Aufgabe war die Übergabe eines automatisierten Defibrillators. Das Gerät wurde am Dienstag offiziell an die Kobershainer Feuerwehr übergeben. Zwölf Einsatzkräfte aus dem rund 300 Einwohner zählenden Ortsteil hatten zuvor eine spezielle Ausbildung absolviert. Dank dieser Qualifikation können sie im Ernstfall deutlich früher eingreifen als der reguläre Rettungsdienst und beispielsweise mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.
Innerhalb des Stadtgebiets Belgern-Schildau nimmt Kobershain damit eine besondere Stellung ein. Die ausgebildeten Einsatzkräfte werden nicht nur im eigenen Ort alarmiert, sondern auch in umliegenden Ortschaften wie Probsthain, Taura, Sitzenroda und dem größeren Schildau. Vertreter der Stadt lobten das Engagement als wichtigen Gewinn für die gesamte Region.
Die Vorbereitung auf die neue Aufgabe begann bereits Ende des vergangenen Jahres. Wehrleiter Melvin Petersohn, der beruflich selbst im Rettungswesen tätig ist, berichtet von großer Motivation innerhalb der Mannschaft. Die Bereitschaft, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen, sei von Anfang an hoch gewesen.
Gerade im ländlichen Raum spielt die schnelle Hilfe eine entscheidende Rolle. Ist die zuständige Rettungswache ausgelastet, können wertvolle Minuten vergehen. Die First-Responder-Einheit soll genau diese Zeit überbrücken. Für die Kameradinnen und Kameraden stehe dabei immer der Schutz von Menschenleben im Mittelpunkt, betont auch die Wehrführung.
Dass sich Einsatzbereitschaft und technisches Know-how in Kobershain auszahlen, zeigte sich bereits zuvor an anderer Stelle: Ein in die Jahre gekommenes Löschfahrzeug des Landkreises stand nach einem größeren Einsatz kurz vor der Ausmusterung. Durch den Einsatz des Gerätewarts gelang es jedoch, die defekte Technik in kurzer Zeit instand zu setzen – ein Beispiel für den neuen Tatendrang innerhalb der Wehr.
Im Landkreis Nordsachsen wurde das First-Responder-Modell bereits vor einigen Jahren erstmals umgesetzt. Weitere Feuerwehren folgten schrittweise. Mit dem Beitritt der Feuerwehr Kobershain wächst dieses Netzwerk nun weiter.
Geschrieben von: Patrick Hofmann
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Inh.: Patrick Hofmann
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