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Übergriffe und Drohungen: Paketdienstleister meidet Leipziger Eisenbahnstraße

today15. Mai 2022 12

Hintergrund
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Paketfahrer berichten seit Monaten von bedrohlichen Situationen: Nach einer Reihe von Übergriffen auf Zusteller hat DPD die Haustürzustellung rund um die Eisenbahnstraße ausgesetzt.

Leipzig.Teile des Leipziger Ostens sind offenbar zur No-go-Area für Paketzusteller geworden. Nach LVZ-Informationen hat mit DPD bereits ein bekanntes Unternehmen aus Sorge um die Sicherheit der Mitarbeiter die Zustellung von Sendungen ausgesetzt.

„In ganz Deutschland kommt DPD grundsätzlich stets bis an die Haustür, um ein Paket zuzustellen“, teilte Pressesprecher Peter Rey auf Anfrage mit. „In der Leipziger Eisenbahnstraße und sehr wenigen direkt angrenzenden Straßen ist die Haustürzustellung aktuell jedoch ausgesetzt, nachdem unsere Zustellerinnen und Zusteller in den vergangenen Wochen und Monaten vermehrt von bedrohlichen Situationen und tätlichen Übergriffen berichtet haben.“ Stattdessen werden die Pakete zur Abholung in vier Paketshops in der näheren Umgebung gebracht. Details zu einzelnen Vorfällen mochte der DPD-Sprecher nicht nennen. Nur so viel: „Das geschilderte Vorgehen stellt einen absoluten Ausnahmefall dar, der räumlich und zeitlich eng begrenzt ist.“

Die Polizei registriert das Phänomen schon seit einiger Zeit, ermittelt wegen einer Reihe derartiger Straftaten. „Seit Beginn des Jahres kam es mehrfach im Bereich des Stadtgebietes zu Eigentumsdelikten in Verbindung mit Paketlieferanten“, berichtete Behördensprecherin Dorothea Benndorf.

Zuletzt war es am 7. April zu einem räuberischen Diebstahl auf einen Paketzusteller gekommen. Gegen 13.50 Uhr wurde ein 23-Jähriger am Torgauer Platz zunächst bestohlen: Zwei etwa 20-jährige Männer mit schwarzen Haaren und Jogginghosen entwendeten ihm aus dem Auto ein Smartphone und ein Tablet, als er gerade Pakete auslieferte. Später traf er sie wieder und wollte seine Sachen zurück, worauf ihm die Täter Schläge androhten. „Es wird immer schlimmer“, findet Paketshop-Inhaberin Steffi Schulze. „So etwas passiert jetzt schon am helllichten Tag“. Erst neulich sei ein betroffener Paketfahrer bei ihr gewesen. „Auch er wurde bedroht und zitterte noch am ganzen Leib.“

„Fürsorgepflicht gegenüber Zustellern“

Schulzes Geschäft ist jetzt eine der Verteilstationen für Pakete an Empfänger in der Eisenbahnstraße. „Auf den Online-Plattformen von DPD können Empfänger jederzeit nachverfolgen, wo sich ihr Paket befindet“, so der Sprecher. „Zusätzlich informieren wir per E-Mail, wenn ein Paket in einem Paketshop bereitliegt.“ Kunden könnten online auch ihren Wunsch-Paketshop auswählen, in den sämtliche Pakete geliefert werden sollen. Speziell für die Anwohner im Gebiet der Eisenbahnstraße sei zudem einen Flyer produziert, der über die Paketshop-Zustellung informiert. Diese Notfall-Praxis sei „schon von vielen Anwohnern aktiv nachgefragt und wird auch sehr gut angenommen“, berichtete Rey.

Bei den Betreibern der Paketshops stößt das Ganze hingegen auf eher gemischte Gefühle. Ladeninhaber wie Steffi Schulze bekommen dadurch ein Vielfaches der sonstigen Paketmenge angeliefert. Das können pro Tag durchaus mehr als 50 Sendungen sein, so die Leipzigerin. Für sie und ihre Kollegen, die zumeist im Geschäft sind, ein ungeheurer Mehraufwand. „Das ist kaum noch zu schaffen“, kritisierte Schulze. Eine dauerhafte Lösung könne das jedenfalls nicht sein. Doch dies habe das Unternehmen ohnehin nicht vor, versicherte der Sprecher. „DPD möchte die Haustürzustellung so schnell wie möglich wieder aufnehmen“, sagte er, „natürlich stets unter Berücksichtigung unserer Fürsorgepflicht gegenüber den Zustellerinnen und Zustellern.“

„Diebstähle in unterschiedlichen Stadtteilen“

Ob sich die Lage so bald wieder entspannt, ist offen. Die Polizei vermutet, dass die Corona-Krise und der damit verbundene Lockdown das Phänomen begünstigt. „Aus unserer Sicht kann das aktuelle Pandemiegeschehen dazu beitragen“, so Benndorf. „Auslieferer sind vermehrt Bestandteil des Stadtbildes, da mehr Online-Einkäufe getätigt werden und somit auch die Auslieferungsrate und die Präsenz höher ist. Dies führt zwangsläufig zu mehr Tatgelegenheiten.“

In den meisten Fällen spiele Gewalt eher eine untergeordnete Rolle, gehe es um einfache Diebstähle aus unverschlossenen Zustellerfahrzeugen. Diese seien laut Polizei durch „eigenverantwortliches und umsichtiges Handeln durchaus leicht vermeidbar.“ Nur in wenigen bisher bekannten Fällen seien die Fahrzeuge aufgebrochen worden, erklärte die Polizeisprecherin. Nach Erkenntnissen der Ermittler sind diese Taten auch nicht nur auf enges Gebiet im Leipziger Osten begrenzt. „Diese Diebstähle“, stellte Benndorf klar, „ereignen sich in unterschiedlichen Stadtteilen.“

Geschrieben von: Patrick Hofmann

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